Bujinkan vs. Karate vs. HEMA
Bujinkan Training im Vergleich zu Karate und HEMA – Auf der Suche nach der „ultimativen Technik“
Seit ungefähr 7 Jahren trainiere ich nun Bujinkan auf der Suche nach „der ultimativen Technik“. Angefangen hat alles auf einem Seminar mit Dai-Shihan Rob Renner in Berlin, aber mittlerweile hat sich ein großes Sammelsurium an Techniken, Trainingsequipment und neue Freundschaften angesammelt. Vor allem aber drängt sich immer mehr die Frage in den Vordergrund: Was hat’s denn jetzt gebracht? Wie erfolgreich ist meine Suche nach „der ultimativen Technik“?

Randori und Sparring im Bujinkan – Funktionieren die Prinzipien wirklich?
Florian-Sensei hat schon sehr früh angefangen, ausgiebig unser Gelerntes im Randori oder mit Sparrings zu testen. Klar, ich kann da nicht alles einem Pressure-Test unterziehen (Augen zerquetschen ist schon recht unangenehm und leider auch unwiderruflich für den Trainingspartner), aber grade unsere Prinzipien, die Grundlagen für unser Taijutsu und unsere Kampfkunst können so einer hervorragenden Probe unterzogen werden. Allerdings wird das auf Dauer recht öde. Nicht, weil es keinen Spaß mehr macht, sondern weil man sich und seine Trainingspartner kennt. Alle kennen die gleichen Tricks und wissen mehr oder weniger, was kommt. Man muss weniger seine Techniken üben, sondern den Gegenüber zu lesen und auszuspielen. Das birgt zwar einen gewissen Reiz, allerdings verzerrt das auf Dauer die Trainingsergebnisse.
Die Bedeutung der Budo-Gemeinschaft im Bujinkan
Zum Glück sind wir ja aber nicht das einzige Dojo auf dieser Welt. Ein für mich wirklich wichtiger Punkt im Bujinkan ist unsere Gemeinschaft. Es gibt viele Dojos mit verschiedensten Ansätzen, aber im Kern trainieren die gleichen Leute die gleiche Kampfkunst. Im Urlaub, zu Seminaren oder wenn ich einfach mal
Lust und Zeit habe besuche ich daher gerne auch mal andere Dojos. Nicht, um mich mit den dortigen Ninjas zu messen, sondern um andere Blickwinkel auf die immer gleiche, eigene Trainingsweise zu erhalten. Klar, Randori ist auch da ein gutes Mittel der Wahl und seien wir ehrlich, auch da macht gewinnen Spaß.
Man lernt jedoch nicht so viel, wenn man auf Teufel komm raus versucht, seinen Sieg vom Zaun zu brechen (trotzdem sollte man sich durchaus anstrengen, sonst lernt man am Ende doch wieder nichts). Seminare im Bujinkan möchte ich hier auch nochmal gesondert hervorheben: Es ist üblich, zu speziellen Themen Seminare abzuhalten. Das ist persé nichts ungewöhnliches für eine Kampfkunst oder im Kampfsport, ABER ich habe die Erfahrung gemacht, dass man bei Bujinkan-Seminaren wesentlich mehr Leute trifft, die aus anderen Ländern kommen. Auch innerhalb von Deutschland gibt es so einen gewissen „Trainings-Trott“, in welchen Hamburger, Berliner, Sachsen aber auch Würzburger verfallen.
Sich da aus dem Ausland nochmal neue Impulse, teils auch kulturell begründet, abzuholen ist meiner Meinung nach sehr wertvoll. Außerdem sind die Abendgespräche beim Essen dann immer gleich viel interessanter.
Bujinkan vs. Karate – Prinzipien im direkten Vergleich
Wie bereits in meinem letzten Beitrag erwähnt, trainiere ich aber nicht nur Bujinkan Ninjutsu, sondern auch Karate. Ebenfalls eine japanische Kampfkunstart, die aber meiner Erfahrung nach ganz andere Schwerpunkte setzt und deren Herangehensweise an einen Zweikampf durchaus verschieden ist, als ich es so gewohnt bin. Dennoch gibt es mehr oder minder die gleichen Trainingsformate, dementsprechend auch Randori. Grade hier ist es interessant, mal meine Ninjutsu-Künste gegen die meiner Karateka-Freunde zu testen. Hierbei sind für mich zwei Punkte sehr interessant: Zum Einen, wie meine Techniken gegen andere, aber dennoch ausgefeilte Techniken funktionieren. Hierbei ist vor allem der Faktor Mensch relevant.
Jeder Kontrahent kann sind auf seine Techniken verlassen, dennoch ist die Frage,
wann diese Anwendung finden. Da man hier viel Ungewissheit im Momentum hat, zögert das die eigentliche Konfrontation heraus. Sobald man jedoch im Flow ist, funktionieren die Techniken auf beiden seiten sehr gut. Daraus folgend ist mir jedoch aufgefallen, dass es eben dieser Flow ist, der durch die
Techniken beeinflusst werden. Aufgrund der verschiedenen Grundeinstellungen kann es durchaus sein, dass es hierbei die eine oder andere Seite deutlich die Oberhand gewinnen kann. Ich kann durchaus meine Mitschüler gut besiegen, aber meine Trainer können mich gut fertig machen.
Der „Trick-Charakter“ des Ninjutsu – Vorteil oder Illusion?
Was mich zu einer weiteren, eigentlich offensichtlichen aber wichtigen Erkenntnis führt: Erfahrung und aufrichtiger Fleiß sind wichtig, um seine Fähigkeiten zu meistern. Dann funktionieren diese auch. Zum Anderen ist hier jedoch auch der „Trick-Charakter“ des Ninjutsu zu erwähnen. Viele, teils überraschende, oder gar schmutzig genannte Tricks aus dem Ninjutsu sollen mir grade in einer oben beschriebenen Konfrontation (zwischen einem Ninja und einem Nicht-Ninja-Krieger) einen Vorteil verschaffen. Die Beobachtung hierzu ist recht uneindeutig. Die meisten Tricks funktionieren sehr gut, aber nur beim ersten Mal. Danach kommt es aus dem Kämpfer an.
Da ich es ab und zu aber trotzdem noch schaffe, auch meine Trainer im Karate mit den Tricks zu schlagen die sie schon kennen, denke ich, dass es hier noch an Feinschliff in der Übung und im Gefühl der Technik fehlt. Ob es damit die besseren Tricks oder Techniken sind, vermag ich nicht zu
sagen. Der nächste Schritt für mich war der Beginn des Trainings der europäischen Kampfkünste (HEMA), mit dem Fechten. Grade der Vergleich Ost gegen West, der auch in den sozialen Medien häufig war zwar am Anfang eine interessante Idee, aber letztendlich ist es auch nur Kampfkunst-Training.
HEMA und Fechten – Ost trifft West
Die Art und Weise des Trainings ist hier jedoch wesentlich anders, als man es von japanischen Kampfkünsten gewohnt ist, da die ganze Etikette fehlt. Besser gesagt gibt es die klassische Sportvereins-Etikette. Der Trainingsaufbau ist anders, die Einstellung zum Umgang mit Waffen ist eine andere, und die lässt sich im Sparring deutlich sehen. Die Angst vor dem Kontakt im Kampf ist deutlich geringer, das Vertrauen in die eigene Kunst ist wesentlich höher und gewohnter, da man direkt mit dem „richtigen“ Waffen trainiert. Allerdings gibt es einen definitiven Unterschied zwischen dem klassischen Fechten (nach italienischer und deutscher Schule) und dem Budo Taijutsu von Hatsumi-Sensei: Wir (Bujinkanees) lernen eine Kampfkunst, die auch mit Waffen funktioniert.
Die Prinzipen ändern sich nicht mit der Waffe. Fechten ist eine Kunst mit Waffen. Zwar gibt es allgemeine Prinzipien, aber die meisten richten sich auf beziehungsweise nach den verwendeten Waffen aus. Das macht es für mich wesentlich einfacher, die gleichen Tricks immer und immer wieder zu nutzen, während meine Fecht-Freunde Unterschiede im Umgang mit verschiedenen Waffen zeigen. Im Langschwert-Duell muss ich noch sehr viel Lernen. Das ist die Hauptwaffe, die unterrichtet wird. Im Duell mit zwei Waffen kann ich zwar nur auf ein sehr beschränktes Repertoire besinnen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass dieses ausreichend ist um eine solide Grundlage zu bilden mich im Sparring zu behaupten.
Bujinkan vs. Karate vs. HEMA – was bleibt von der Suche nach der ultimativen Technik?
Ich kann mit meinen Tricks sehr gut mit den ausgereiften Techniken meiner Mittrainierenden mithalten. Dennoch ist das Sparring deutlich anstrengender und zeigt mir, dass unsere Tricks gut sind um Mitzuhalten, aber letztendlich nicht ausschlaggebend sein können, wenn man sich nur auf diese verlässt. Alles in allem ist es nicht nur aufschlussreich und lehrreich, die eigenen Techniken und Tricks auszuprobieren, es macht auch sehr viel Spaß. Wie eingangs erwähnt und gleich dem „normalen“ Training, ist es letztendlich die Gemeinschaft, die zu diesem Punkt das Training vorantreibt.
Kämpfen ist immer unangenehm. Training mit ungewohnten und neuen Leuten, und mit der Aussicht auf die Niederlage ist auch unangenehm. Nichts desto trotz haben wir in unserer Kampfkunstgemeinschaft einen wirklich angenehmen Rahmen, um uns dieser Erfahrung gemeinsam zu stellen. Ein wichtiger Umstand in der aktuellen Welt.
Fazit: Effektivität entsteht durch Gemeinschaft und Erfahrung
Bezogen auf meine Suche nach „der ultimativen Technik“ bin ich durch dieses Training einen wichtigen Schritt weitergekommen: Ich kann mich mit meinen Tricks zumindest im Duell gut gegen andere Kämpfer behaupten. Ich komme gegen nicht so Erfahrene an, meine Tricks helfen mir im richtigen Augenblick gegen Gleiche und ich kann mich zumindest angemessen halten, wenn ich gegen eindeutig bessere Gegner antrete. Ob es dennoch der Weisheit letzter Schluss ist, vermag ich nicht zu sagen. Letztendlich wird die Zeit wohl darüber entscheiden, ob ich mit meiner Suche erfolgreich bin, oder nicht.
Ninpo Ikkan